“Wenn das Mode würde in Deutschland, dass man nicht zu helfen braucht, dann müsste ich Angst bekommen um die Psyche des eigenen Volkes.”
Helmut Schmidt über die Griechenland-Berichterstattung der BILD-Zeitung bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises am 7. Mai 2010.
9. Mai 2010, 22:12
Dass der Sprecher der Unions-geführten Bundesregierung zum Bayerischen Rundfunk wechselt, um dort Intendant zu werden, ist zwar schlecht fürs Image des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – aber überraschend ist es nicht.
Warum es trotzdem ein Skandal ist, dass Ulrich Wilhelm BR-Intendant wird, hat die taz mehrmals aufgeschrieben. Genützt hat’s nichts: Heute wurde Wilhelm gewählt, wohl auch mit der Stimme des Bayerischen Journalistenverbands.
6. Mai 2010, 19:49
Unter dem Titel “Wie die Kirche Leute zum Schweigen bringt” hat Stefan Niggemeier das juristische Vorgehen des Bistums Regensburg gegen den Betreiber von regensburg-digital.de, Stefan Aigner, nachgezeichnet. Das Bischöfliche Ordinariat hat vor dem Landgericht Hamburg – wo sonst? – eine einstweilige Verfügung gegen eine Meinungsäußerung Aigners erwirkt. Fragen zu diesem Thema beantwortet das Bistum nicht. Bistums-Sprecher Jakob Schötz teilte Niggemeier mit:
Zu dem von Ihnen angefragten Vorgang nehmen wir keine Stellung. Grundsätzlich ist aber festzustellen, dass bei massiven ehrabschneidenden und rufschädigenden Falschbehauptungen immer in angemessener Weise reagiert werden muss.
Ich habe es daher bei der Deutschen Bischofskonferenz versucht, wo ja der größtmögliche Aufklärer der katholischen Kirche, Robert Zollitsch, das Sagen hat. Folgende Fragen habe ich der dortigen Pressestelle gestellt:
- Hält die Deutsche Bischofskonferenz das Vorgehen des Bistums für angemessen?
- Wie beurteilt die Konferenz das Bemühen des Bistums, Aigners Meinungsäußerung auf juristischem Weg zu unterbinden?
- Wie beurteilt die Bischofskonferenz, dass sich das Bischöfliche Ordinariat einer Beantwortung von Fragen verweigert?
- Wie stellt sich der Fall für die Bischofskonferenz dar? Gibt es nach Auffassung der Konferenz einen Zusammenhang zwischen dem Stillschweigen der Opfer und der Zahlung des Schmerzensgeldes?
Und als Antwort habe ich erhalten:
Der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, lässt Ihnen in dieser Sache ausrichten, dass wir keine Angelegenheiten des Bistums Regensburg kommentieren.
Damit sich Stefan Aigner den Widerspruch gegen die Einstweilige Verfügung leisten kann, bittet er um Spenden.
23. April 2010, 11:24
Damit das im Geburtstag-Jubel nicht ganz untergeht: Alles, was Richard von Weizsäcker zur Bild-Zeitung einfällt, ist:
Bild: Politik spannend, Stil (kunter-)bunt.
Not my president.
15. April 2010, 22:52
Ich habe mich lange gefragt, warum der ADAC in seiner 70er-Jahre-Freie-Fahrt-für-freie-Bürger-Kampagnenmentalität stecken geblieben ist und gerade in Umweltfragen so gar nicht weiterkommt.
Jetzt habe ich die Antwort gefunden: In den Führungsgremien des Lobby-Dinosauriers (riesig & von gestern) sitzt keine einzige Frau: Präsidium, Verwaltungsrat, Geschäftsführung – 31 Posten und alles nur: Männer.
Wem das nicht unheimlich genug ist, der sollte sich mal den Text “Die Straßenmacht” aus dem Manager-Magazin durchlesen.
Anders ist es übrigens beim Verkehrsclub Deutschland: Dort führt eine Frau die Geschäfte und immerhin zwei von sieben Vorstandsmitgliedern sind ebenfalls Frauen.
15. April 2010, 11:09
Ein von mir verfasster Text, der in der Dokumentation zum Otto-Brenner-Preis 2009 erschienen ist (eine ähnliche Fassung ist auch hier zu finden), enthält einen Satz, den ich richtigstellen möchte. Dort heißt es über Kerstin Plehwe, die Chefin der Initiative Pro Dialog:
Kürzlich schrieb sie auf Handelsblatt.com über die von ProDialog pünktlich zum Bundestagswahlkampf veröffentlichte Studie „Wege zum Wähler“ – und gab dazu auch stern.de ein Interview. Und da sieht die traurige Brief-Welt plötzlich ganz fröhlich aus: „Die Ansprache über den guten alten Brief finden immer noch mehr Menschen attraktiv als die Wahlkampfkommunikation per E-Mail“, erklärt Plehwe. Dass ihre Initiative von der Post finanziert wird, bleibt unerwähnt.
Bezogen auf stern.de ist der letzte Satz falsch. Er trifft nur auf den Handelsblatt-Text und auf einen im gedruckten Stern am Folgetag erschienenen Text zu, in dem jedoch nicht Plehwe selbst, sondern nur eine von ProDialog in Auftrag gegebene Studie erwähnt wird.
Hingegen wird in einem beim stern.de-Interview stehenden Kasten auf den Zusammenhang hingewiesen:
Die Kommunikationsberaterin und Sachbuchautorin Kerstin Plehwe, 41, ist Vorsitzende der Berliner “Initiative Pro Dialog” – eine überparteiliche Institution, die den Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft fördern will. Sie wird von der Deutschen Post unterstützt.
Zudem hat die Interviewerin einige Wochen später einen kritischen Text über eine ProDialog-Veranstaltung verfasst, der lesenswert ist, weil er viel über die Marketing-Mache von ProDialog verrät.
14. April 2010, 20:00
12. April 2010, 15:21
Der “Journalist”, “MDR Sputnik” und “Meedia” haben berichtet, dass der Journalist Sebastian W. Zitate erfunden haben soll – hier der ‘Journalist’-Artikel. Stefan Niggemeier kritisiert die Berichte – er halte “die Art, wie das vermeintlich seriöse Branchenblatt ‘Journalist’ sowie der Abschreibedienst ‘Meedia’ in ihrer Berichterstattung mutwillig oder fahrlässig die Existenz eines jungen Journalisten riskieren”, für skandalös.
W. selbst schreibt auf seiner Webseite:
Ich habe keine Zitate erfunden. Ich habe keine Zitate gefälscht. Aufgrund einer Leserbeschwerde beim Presserat hat sich herausgestellt, dass ein vermeintlicher Anwalt, den ich in mehreren Artikeln zitiert habe, ein Hochstapler war. Das ärgert mich und war ein Fehler von mir – ich hätte den Hintergrund dieser Person genauer prüfen müssen. Ich protestiere aber gegen die vorverurteilende und mich identifizierende Berichterstattung über diesen Fall auf journalist.de und meedia.de. Sie ist einseitig und falsch.
Annette Milz schildert im “Medium Magazin” (online) dankenswerterweise einige Fakten, die im “Journalist”-Text fehlen:
Anlass für beide Strafanzeigen war das Bemühen, die wahre Identität des angeblichen Anwalts “Carsten Penkella” zu klären, den Sebastian W. in seinen Beiträgen mehrere Male zitiert hatte. Aufgrund einer Beschwerde beim Presserat stellte sich heraus, dass ein Anwalt mit diesem Namen nicht existiert. Es existieren jedoch Schrift- und Mailwechsel – u.a. eine Mail an eines der Medienunternehmen als Antwort des angeblichen “C. Penkella” auf die Frage nach seiner Identität als Anwalt, in der er sich dazu bekennt, er habe Journalisten bewußt unter Vorspiegelung einer falschen identität als angeblicher Verbraucheranwalt missbrauchen wollen. Er habe, so geht aus dem Schreiben hervor, ausprobieren wollen, inwieweit Medien heutzutage angebliches Expertenwissen ungeprüft als “bare Münze” einsetzen würden. Die Identität des Absender der Schreiben ist bis heute unklar.
Die Texte, in denen “Penkella” erwähnt wird, wurden von Welt Online aus dem Netz genommen. Zum Teil lassen sich die Zitate aber noch andernorts finden, wo die Welt-Artikel aufgegriffen wurden – schlichtes Googeln nach “Carsten Penkella” führt nur zu diesen Texten/Textausschnitten (an verschiedenen Orten). Vielleicht können sie ja helfen, sich ein Bild von der Sache zu machen:
Titel: “ADAC warnt – Verkehrsdelikte – Was im Ausland richtig teuer ist”
Hiervor warnen Juristen dennoch: “Die Strafe muss zwar nicht bezahlt werden, aber bei der Wiedereinreise kann es zu Problemen kommen”, warnt Carsten Penkella, Anwalt aus Köln, “In vielen EU-Mitgliedsstaaten werden offene Rechnungen für bis zu fünf Jahre elektronisch erfasst. Bei der Einreise wird neben dem Pass auch das Kennzeichen kontrolliert.”
(z.B. via)
Titel: “So läuft die Abzocke beim Schufa-freien Kredit”
Doch Verbraucher werden durch die schufa-freien Kreditangebote nicht nur abgezockt, sie können sich unter Umständen auch strafbar machen: „Kreditnehmer verschweigen oft die Höhe ihrer bisherigen Schulden“, sagt der Kölner Jurist Carsten Penkella. Die Kreditgeber machten es ihren Opfern ziemlich leicht, an frisches Geld zu kommen.
„Kommen sie dann bei der Ratenzahlung in Rückstand und werden die falschen Angaben vor Gericht entdeckt, ist eine Privatinsolvenz praktisch nicht mehr möglich“, stellt Penkella klar. Die Schuldner seien dann andauernden Pfändungen ausgesetzt.
(z.B. via)
Außerdem wird Penkella noch in einem Kommentar zu einem Artikel bei stern.de zitiert – die Quelle ist hier allerdings nicht zu erkennen. — Nachtrag: Der Ausschnitt stammt aus einem Spiegel-Online-Artikel, siehe Kommentar #1 von Stefan Niggemeier —
Nebenbei bemerkt: Unabhängig davon, wer den Anwalt erfunden hat und wie über den Verdacht berichtet wird: Ein bisschen verlogen ist das Ganze schon. Denn Zitate-/Menschen-Erfinden ist nach meiner Einschätzung bei nicht wenigen Autoren an der Tagesordnung. Gerade aus dem Lifestyle-/Lebenshilfe-Bereich hört man immer mal wieder hinter vorgehaltener Hand, dass manche nachnamslose Person (“Elaine, 24, Bwl-Studentin”), die da aus ihrem Gefühlsleben berichtet, nur in der Phantasiewelt der Autoren existiert. Und ganz einfach ist das ja auch nicht: Oft gibt es da die tolle Themenidee der Redaktion, die der Autor zugeteilt bekommt: Etwa “Ein One-Night-Stand pro Nacht reicht mir nicht”. Wie soll man da die passenden Protagonisten finden?
Ach ja, die Beispiele “Elaine” und “One-Night-Stand” gibt es nicht wirklich, die habe ich mir ausgedacht. Hoffe ich.
—
- Aus rechtlichen Gründen kürze ich den Namen hier ab.
29. März 2010, 23:00
Der Kollege Markus Grill hat kürzlich im Spiegel nachgezeichnet, wie es zu der Sauerei kam, dass der Pharma-kritische Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Peter Sawicki, abgelöst wurde.
Ein paar Fragen blieben mangels Auskunftsbereitschaft der Akteure ungeklärt. Ich habe daher folgendes Schreiben an die Vertreter der Gesetzlichen Krankenkassen gerichtet:
Sehr geehrte Frau Dr. Pfeiffer,
sehr geehrter Herr von Stackelberg,
im SPIEGEL war kürzlich nachzulesen, wie es dazu kam, dass der Vertrag von IQWiG-Leiter Peter Sawicki nicht verlängert wurde.
Dort heißt es, dass die GKV-Vertreter nicht zu einer Stellungnahme bereit waren. Ich kann mir das gar nicht vorstellen, schließlich fühlen Sie sich doch sicherlich im Umgang mit den Steuer- bzw. Versichertengeldern zur Transparenz verpflichtet.
Auch ich bin gesetzlich versichert und an einer sinnvollen Verwendung meiner Beiträge sehr interessiert. Daher bitte ich Sie um Beantwortung der folgenden Fragen:
1. Gemäß dem Spiegel-Artikel müssen laut Vergabeverordnung alle Aufträge ab 12.500 Euro ausgeschrieben werden. Warum wurde der Auftrag zur Spesen-Prüfung ohne Ausschreibung an BDO vergeben?
2. Was war der Grund für das eilige Verfahren?
3. Welche Kosten hat der Auftrag insgesamt gekostet (Honorare, Mehrwertsteuer, Spesen etc.)?
4. Sawickis Ablösung wurde mit der Anschaffung eines Leasing-Pkw begründet. Laut Spiegel-Bericht/BDO-Gutachten wurde die Anschaffung aber vom kaufmännischen Geschäftsführer Frank Hackenberg empfohlen. Außerdem wurde der Finanzausschuss informiert – und die entsprechenden Haushaltspläne wurden von Vorstand und Stiftungsrat genehmigt. – Warum also wurde die Anschaffung Sawicki angelastet? Wie kann dies der Grund für seine Ablösung sein? – Warum werden angesichts der Versäumnisse nicht auch der kaufmännische Geschäftsführer sowie Vorstände und Stiftungsratsmitglieder abgelöst? – Ist der Leasing-Wagen womöglich nur ein vorgeschobener Grund? Was sind ggf. die wahren Gründe für die Ablösung?
Ich freue mich, von Ihnen zu hören.
Mit freundlichen Grüßen,
Günter Bartsch
(Transparenz-Hinweis: Markus Grill sitzt im Vorstand von Netzwerk Recherche, als dessen Geschäftsführer ich tätig bin.)
25. März 2010, 14:10
In der “Stationären Aufnahme” ist nachzulesen, was manche Kollegen offenbar für Qualitätsjournalismus halten: Hockeystick nimmt dort die Autoren der Studie über die angeblich schlechten Leistungen von Hausärzten unter die Lupe – und stellt enge Verbindungen zur Pharma-Industrie fest.
25. März 2010, 13:37