Der Schnipsel ist schon etwas älter, vom März 2009, aber deshalb nicht weniger sehenswert: Rachel Maddow mokierte sich damals in ihrer Show auf MSNBC über den Versicherungskonzerns AIG und seine Methode der Problemlösung:
They have decided to spend some of their precious and now 80 percent public resources, fixing what is really wrong with their company. They are working on their image because that‘s the real problem here, right? (siehe Transkript auf der MSNBC-Webseite)
Dafür engagierte AIG verschiedene PR-Firmen – zu einem Zeitpunkt, als der Versicherungskonzern (laut Spiegel „die gefährlichste Firma der Welt“) nur noch dank der Steuerzahler-Milliarden überleben konnte. Dass sich AIG nun mit diesem Geld das Image aufpolieren möchte, stört Maddow ganz gewaltig:
We‘re paying the bill for PR firms to spin us about how awesome AIG secretly is?
Im zweiten Teil des Ausschnitts erwähnt Maddow das von AIG beauftragte PR-Unternehmen Burson-Marsteller – und seine Kundschaft, zum Beispiel:
- Blackwater (heute: Xe), nachdem Mitarbeiter des privaten Militär-Unternehmens 17 irakische Zivilisten in Bagdad umgebracht hatte
- Babcock & Wilcox, nach der Kernschmelze des von der Firma gebauten Atomkraftwerks Three Mile Island
- Union Carbide, nach dessen Chemie-Katastrophe im indischen Bhopal
- Der rumänische Diktator Nicolae Ceaușescu
- Die Militär-Junta, die 1976 die argentinische Regierung stürzte
- Die Regierung von Indonesien, angeklagt wegen Völkermords in Ost-Timor
- Die Regierung von Nigeria, angeklagt wegen Völkermords in Biafra
- Die Regierung von Kolumbien, ”trying to make all those dead union organizers not get in the way of a new trade deal“
(…)
Maddow fasst zusammen:
When evil needs public relations, evil has Burson-Marsteller on speed dial. (…) It‘s not enough to merely bring down the world financial system and saddle us with having to save you. Now, you also have to saddle of us with the knowledge that we‘re paying the PR firm from hell?
Kurz darauf behauptete Burson-Marsteller-Chef Mark Penn in einem Schreiben an seine Mitarbeiter, dass die PR-Firma für viele der von Maddow genannten Kunden nicht mehr arbeite. Was Maddow in einer späteren Sendung aufgriff (siehe auch Transkript):
Penn behauptete also, Burson-Marsteller habe nie Geld von Blackwater erhalten (“We never took a dime from Blackwater”). Maddow hatte die Information, dass Burson-Marsteller für Blackwater arbeitete, aber von einem Sprecher der Firma selbst: Dieser hatte 2007 mitgeteilt, dass BKSH (heute: Prime Policy Group), also eine Tochterfirma von Burson-Marsteller, Blackwater dabei half, sich auf eine bevorstehende Anhörung vor dem Kongress vorzubereiten (siehe etwa bei Wired).
Wenn beides stimmt, rätselt Maddow am Schluss des Beitrags, dann kann das eigentlich nur eines bedeuten:
Is it possible that Burson-Marsteller could have worked for Blackwater and but not been paid for it? Remember, “We didn‘t take a dime”? Burson-Marsteller did Blackwater‘s public relations for free? It was a pro bono thing? Blackwater was their charity case?
Aber offenbar können PR-Leute in Deutschland von Burson-Marsteller noch manches lernen. Firmengründer Harold Burson sprach 2007 eine Keynote – wo wohl?

