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Quadriga Hochschule: Wo sich PR und Journalismus treffen

Von PR-Leuten kann man wirklich noch was lernen. Easy-going nämlich. Die haben das drauf.

Bei den Jahreskonferenzen von netzwerk recherche bin ich es gewohnt, dass sich die Journalisten ordentlich an den Karren fahren, mitunter regelrecht zerfleischen. Letztes Mal wurden so schmerzhafte Themen wie die Berichterstattung über den Amoklauf in Winnenden thematisiert, sogar der stellvertretende „Bild“-Chef Nikolaus Fest machte mit und musste sich harte Angriffe gefallen lassen. Oder die Diskussion über verdeckte PR bei der Deutschen Bahn – eine heftige Debatte, an der sich auch PR-Leute beteiligten: der Berater Klaus Kocks (Ex-VW-Kommunikationsvorstand) und Reemtsma-Manager Lars Großkurth, damals noch Präsident des Pressesprecher-Verbandes – nicht nur mit Journalisten, auch untereinander kriegten die beiden sich mächtig in die Haare.

Bei ihrem eigenen Kongress machen die PR-Leute das anders. Warum sich selbst die Hölle heiß machen, wenn es auch easy geht?

Verdeckte PR bei der Bahn? Kein Thema beim Kommunikationskongress 2009, der vergangenes Wochenende in Berlin stattfand. Ja, Bahn-Sprecher Oliver Schumacher erzählte beim Thema „Vertrauen in der Krise“, wie man anschließend mit dem Skandal umgegangen ist (zugegeben: recht vorbildlich). Aber ein eigenes Panel waren den Veranstaltern die Manipulationen von Berlinpolis & Co. offenbar nicht wert.

Stattdessen wimmelt es im Programm von „Best Cases“. Zum Beispiel durfte Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Max Höfer, über das Thema „Mit Kommunikation aus der Krise“ berichten. Höfer zählt bei den Kongressen, die vom Verlag Helios Media (als Betreiber der Geschäftsstelle des Bundesverbands Deutscher Pressesprecher) organisiert werden, zu den Stammrednern. Aber offenbar kommt dort niemand auf die Idee, ihm mal die fragwürdigen INSM-Methoden vorzuhalten. Dieses Jahr z.B. schickte das Gesamtmetall-Lobbyorgan drei Reporter los, um etwas über die soziale Marktwirtschaft zu berichten. Die Journalisten sollten laut Stellenprofil “der sozialen Marktwirtschaft gegenüber positiv eingestellt” und “einem unternehmernahen Auftraggeber gegenüber aufgeschlossen” sein – so das Profil in der Stellenanzeige laut LobbyControl.

Vom Chef von Helios Media, Rudolf Hetzel, ging nun auch die Initiative aus, eine private Hochschule zu gründen: die “Quadriga Hochschule Berlin” (Webseite). „Vier Zugpferde für eine erfolgreiche Karriere“ sollen Studenten anlocken – beziehungsweise Unternehmen, die ihren Mitarbeitern die Teilnahme (ab 19.000 Euro für 18 Monate) bezahlen. Zugpferd 1: „Netzwerk“. In der Beschreibung heißt es:

„Ein starkes und exklusives Netzwerk bietet optimale Karrierechancen. Es fördert den Austausch der High Potentials (…) untereinander und mit Entscheidungsträgern aus Wirtschaft und Politik. (…) Im Kreis rund um die Quadriga Hochschule Berlin kommen Chefredakteure deutscher Leitmedien, Kommunikationsmanager und Politiker mit dem Präsidium und Professoren der Hochschule und den Studenten zusammen. Auch nach ihrem Abschluss profitieren die Studenten der Quadriga über das Alumninetzwerk von diesem Kreis.“

Eine klare Ansage. Und tatsächlich: Im Kuratorium sitzen namhafte Journalisten wie dpa-Chefredakteur Wilm Herlyn, MDR-Chefredakteur Wolfgang Kenntemich, FTD-Chefredakteur Steffen Klusmann, Welt-Chefredakteur Thomas Schmid, Cicero-Chefredakteur Wolfram Weimer, Deutsche-Welle-Fernsehdirektor Christoph Lanz, N24-Chefredakteur Peter Limbourg und ARD-Generalsekretärin Verena Wiedemann. Ich habe mich darüber mit Quadriga-Präsident Peter Voß unterhalten, dem früheren SWR-Intendanten – darüber in Kürze mehr in einem Bericht für die taz. So viel vorweg: Voß teilt die Sorge nicht, dass die Schule der weiteren Verschmelzung von Journalismus und PR Vorschub leistet. Und er betont, dass die Quadriga unabhängig von Helios Media agiert.

Aber klar ist auch: Sie ist ein Tochterunternehmen der depak, die ebenfalls von Rudolf Hetzel geführt wird. Auch darüber hinaus gibt es personelle Überschneidungen, z.B. im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Das Problem liegt im laxen Umgang von Helios mit der Trennung von PR und Journalismus. Eine kritische Beobachtung der Kommunikationsbranche findet man hier selten – eher eine Verbrüderung. Nehmen wir das Helios-Magazin „Politik & Kommunikation“: In jeder Ausgabe stellt die Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer darin das „Gesetz des Monats“ vor. Im Februar: Das Finanzmarktstabilisierungsgesetz. Der Freshfields-Autor zieht ein positives Fazit:

„Mit dem FMStG hat die Bundesregierung einen wichtigen Schritt zur Bewältigung der Finanzkrise gemacht. Mag es auch Kritik an einzelnen Punkten des Gesetzes geben: Die Krise hat der Regierung – wie auch den Parlamentariern – schnelles und entschlossenes Handeln abverlangt.“

Unerwähnt bleibt: Freshfields selbst hat den Gesetzentwurf im Auftrag der Bundesregierung geschrieben. Und es gibt weitere Beispiele: Auch die INSM-Chefs durften in Gastbeiträgen regelmäßig ihre PR-Botschaften ablaichen. Gleichzeitig zählt die Initiative zu den treuesten Anzeigenkunden von „Politik & Kommunikation“.

Das NDR-Medienmagazin Zapp berichtet heute Abend über die Quadriga-Hochschule.

Update:
Hier kann man sich den Zapp-Beitrag ansehen.

16. September 2009, 19:55

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